Trainingssteuerung über wissenschaftliche Erkenntnisse

Zeiten sind messbar und Bewegungsabläufe sind sichtbar, aber eine erfolgreiche Trainingssteuerung setzt mehr Informationen voraus. Hier genau liegt die Kompetenz der Olympiastützpunkte NRW, die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zielgenau für die Praxis aufbereiten. In jahrelanger Zusammenarbeit mit den Trainern und Athleten werden Informationen über den aktuellen Leistungsstand aus unterschiedlichen Bereichen eruiert und verglichen. Aus diesen Informationen werden im Team Ansätze für Leistungspotentiale herausgearbeitet und in die Trainingsplanung integriert.

Die Leistungsoptimierung basiert auf den Säulen Physiologische Leistungsdiagnostik, Biomechanische Leistungsdiagnostik, Ernährungsberatung und Sportpsychologie.

Wenn ein Athlet Spitzenleistungen erbringt, dann laufen im Körper komplexe Stoffwechselprozesse ab, um Energie zur Verfügung zu stellen. Die Lagerung, der Transport und die Bereitstellung dieser Energie sind maßgebliche leistungsbestimmende Faktoren. In der physiologischen Leistungsdiagnostik werden diese Prozesse anhand unterschiedlicher Untersuchungsverfahren bei den Sportlern beobachtet, analysiert und gesammelt. Die jahrelange Erfahrung unserer Mitarbeiter im Spitzensport ermöglicht ihnen eine professionelle Interpretation dieser Daten. Dies ist Voraussetzung, um gemeinsam die richtigen Folgerungen für die Trainingsgestaltung und die Wettkampfplanung zu ziehen und diese gemeinsam mit den Trainern zu gestalten.

Der auf humanem Wege mit fairen Mitteln erkämpfte sportliche Erfolg ist das gemeinsame Ziel aller in den sportlichen Prozess involvierten Partner. Ein wesentliches Element für die Optimierung und Steuerung der komplexen Leistungsfähigkeit stellt dabei die physiologische Leistungsdiagnostik dar. Basierend auf dem individuell bestimmten momentanen konditionellen Leistungsstand können Interventionsstrategien für die Optimierung erfolgen, wobei Be- und Entlastung (Training und Regeneration) die veränderbaren Größen darstellen. Es wird dabei der Versuch unternommen, das Training quantitativ und qualitativ so zu verändern, dass der gewünschte Effekt erzielt wird.

Leistungen im Überblick

- diverse Laborergometrieverfahren, z.B. Laufband, Ruder-, Fahrrad-, und Drehkurbelergometer
- sportartspezifische Tests im Labor und im Feld (z.B. 400m Bahn)
- Spiroergometrie im Labor und im Feld - Blutanalysen (Blutbild, Elektrolyte, Laktat, ...)
- Trainings- und Wettkampfdatendokumentation
- Beurteilung des Trainingsumfangs bzw. -intensität (Übertraining)
- Trainingssteuerung

Egal ob Judoka, Ruderer, Beachvolleyballer oder Tischtennisspieler, alle Sportler steuern über Krafteinsatz Bewegungen, um erfolgreich zu sein. Unabhängig davon, ob es sich um Maximalkraft (Kugelstoßer), Schnellkraft (Sprinter) oder Kraftausdauer (10.000m-Läufer) handelt, es gilt: je zielgenauer der Sportler seine Bewegungen einsetzt, desto effektiver wirken seine Kräfte. Die Biomechanik versucht mittels modernster Techniken, die Effizienz der Bewegungsabläufe „im unsichtbaren Bereich“ zu steigern. Hierzu werden über das komplexe Zusammenspiel von z.B. hochauflösenden Videokameras, Lichtschranken und Messplatten sportliche Techniken von außen aufgenommen. Die sowohl im Training als auch im Wettkampf erhobenen Daten werden an Computern in Diagramme übersetzt und auf diese Weise objektiviert. Unsere Mitarbeiter gewinnen in dieser abstrakten Betrachtung Erkenntnisse, die sie in die Praxis übersetzen und die dann über Gespräche mit den Trainern in das Techniktraining einfließen. Aber auch die Weiterentwicklung von Sportgeräten (z.B. Stabhochsprung) wird durch diese Erkenntnisse forciert. Am Ende des Prozesses muss der Athlet trainieren, trainieren, trainieren, um seinen Bewegungsablauf, mit oder ohne Sportgerät, zu verbessern.

Leistungen im Überblick:

- Bewegungsanalysen
- Verbesserung des allgemeinen Technikleitbildes einer Disziplin
- Verbesserung des individuellen Technikleitbildes eines Sportlers
- Trainingsplangestaltung und -anpassung
- Zeit-/ Kraftstrukturanalysen
- Spiel- und Wettkampfbeobachtungen
- Trainer-Weiterbildung

Herausragende Leistungen erfordern eine professionelle Ernährung. Die optimale Ernährung im Spitzensport ist ein komplexes Thema mit vier Themengebieten:

1. Die sportgerechten Alltagskost
2. Ernährung rund um das Training bzw. Wettkampf
3. Ernährung in außergewöhnlichen Situation (z.B. (Höhen-Trainingslager, Wettkampf im Ausland)
4. Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln

Aufgrund der Vielzahl an Sportarten kann die optimale Ernährungsstrategie sehr unterschiedlich sein. Es ist zu erwarten, dass aufgrund von verschiedenen Trainingsinhalten die Ernährung bei einem Judoka anders ausschaut als bei einer Marathonläuferin. Daher ist eine Ernährungsberatung in der Regel als individuelle Maßnahme zu verstehen. Um mehr über die Ernährungsgewohnheiten eines Sportlers in Erfahrung zu bringen wird eine Ernährungsanalyse durchgeführt. Der Sportler dokumentiert in der Regel über 7 Tage, was, wie viel, wann und wo gegessen wurde. Aus diesen Informationen wird erkennbar welche Lebensmittel gewöhnlich verzehrt werden, zudem lässt sich durch die computergestützte Analyse berechnen wie hoch die zugeführte Menge ausgewählter Nährstoffe ist. Daraus lassen sich hilfreiche konkrete Maßnahmen ableiten, um die Ernährung der Sportler im Sinne einer leistungsgerechten, gesunden Ernährung zu optimieren. Neben den Einzelberatungen für Sportler werden am OSP Gruppenberatungen (Vorträge, Sprechstunden) für Nationalmannschaften durchgeführt. Häufige Themenkomplexe bei Vorträgen und Seminaren sind:

- Die optimale Ernährung für Training, Wettkampf und Trainingslager
- Förderung von Regenerationsprozessen
- Ernährung auf Reisen und im Ausland
- Hilfestellungen bei Nahrungsmittelauswahl, -einkauf und -zubereitung
- Erzielung eines leistungsgerechten Körpergewichts
- Besondere Problematik der Gewichtssportarten

Des Weiteren werden Sportinternate und Leistungszentren hinsichtlich einer sportgerechten Verpflegung beraten.

Fazit: Der Begriff Sporternährung umschreibt nicht eine allgemeingültige Ernährungsform für alle Sportler. Entsprechend hängen die Inhalte der Ernährungsberatung am OSP von den individuellen Fragen, Zielen und Rahmenbedingungen des Sportlers ab.

Auch die mentale Stärke beeinflusst die körperlichen Höchstleistungen. Deshalb gehört die sportpsychologische Betreuung der Kaderathleten zu den Serviceangeboten des Olympiastützpunktes. Ausgangspunkt einer solchen Beratung ist meist eine akute Bedarfssituation auf Athletenseite. Ob es um Wettkampfängste, um Konzentrationsschwächen oder um die psychische Bewältigung von Verletzungen geht (um nur ein paar Beispiele zu nennen), in einem vertraulichen Gespräch werden mit den Sportlern Lösungen für ihre aktuellen Problemsituationen gesucht. Diese Lösungen liegen oftmals in der Aufdeckung der schon bei den Athleten vorhandenen Ressourcen, ebenso gibt es aber auch verschiedene sportpsychologische Techniken, welche den Sportlern helfen, ihre Leistungen zu optimieren.

Hierzu gehören z.B.:

- Techniken der Selbstregulierung (insbesondere Entspannungsverfahren und Selbstmotivierungstechniken)
- Techniken zur Optimierung des inneren Dialogs (Selbstgespräch)
- Imaginative Verfahren (Vorstellungsübungen, die der Wettkampfvorbereitung und Technikoptimierung dienen)
- Zielbildungstechniken
- Methoden der Konzentrationsförderung

Wenn möglich, werden in die Beratung auch die Trainer mit einbezogen. Dadurch wird es möglich, sowohl deren Coachingverhalten auf die Bedürfnisse des Athleten optimal anzupassen, als auch im Training Übungen einzubauen, die die Wettkampfstabilität der Sportler fördern. Letzteres geschieht z.B. durch die möglichst wettkampfnahe Gestaltung des Trainings und durch die Einführung von Konsequenzen bei Trainingsfehlleistungen. Ein gutes Beispiel dafür ist in dem Fußball-WM-Film „Deutschland – ein Sommermärchen“ dokumentiert, wo der Sportpsychologe der deutschen Nationalelf die Spieler in der Vorbereitung Elfmeterschießen trainieren lässt und die Fehlschützen später die anderen Spieler beim Abendessen bedienen müssen.

Auch wenn aktuelle Problemsituationen oftmals der erste Anlass dazu sind, einen Sportpsychologen aufzusuchen,  in ihrer Idealform dient die Sportpsychologie also nicht nur der Problemlösung, sondern sie trägt auch zur langfristigen Leitungsentwicklung der Sportler bei.

 

 

 

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